Zwischen zwei Welten, vereint im Do 

Aufwachsen zwischen zwei Kulturen: Warum Kampfsport Halt gibt

Wie findet man seine eigene Identität, wenn man von Geburt an in verschiedenen Kulturen zu Hause ist?

Wer als Kind von Einwanderern in Deutschland aufwächst, kennt diesen Spagat: Unter der Woche läuft der ganz normale Alltag: Schule, Fußball oder Tennis, Musikunterricht oder einfach Verstecken mit den Freunden. Am Wochenende wartet die Sprachschule. Während die Freunde samstags ausschlafen, heißt es für andere: Vokabeln, Büffeln und Kultur leben und das konsequent bis zum Abschluss. Es ist ein Leben in zwei Welten, das bereichert, aber manchmal auch fordert.

Inmitten dieser zwei Identitäten braucht es oft eine Konstante. Etwas, das keine Übersetzung benötigt. Für mich war das ab dem sechsten Lebensjahr das Taekwondo.

Auf der Matte spielen Herkunft oder Sprache keine Rolle. Die Regeln dort sind universell: Respekt, Fokus, Disziplin und der Wille, an den eigenen Grenzen zu wachsen und offen für Neues zu sein. Von Woche zu Woche, von Training zu Training. Alles in meinem eigenen Tempo und mit der Unterstützung von meinem Großmeister. Kampfsport fungiert hier wie ein Anker. Er bewertet nicht, woher man kommt, sondern belohnt den Einsatz, den man im Hier und Jetzt zeigt.

Wer schon früh lernt, sich durch den Sport zu fokussieren, nimmt diese Stärke automatisch mit in den Alltag. Die Disziplin von der Matte hilft dabei, die Herausforderungen von zwei Schulsystemen zu bewältigen, und die philosophischen Werte des Taekwondo schenken die nötige Gelassenheit.

Am Ende zeigt der Kampfsport, dass Gegensätze sich nicht ausschließen müssen. Er verbindet Welten und formt Persönlichkeiten, die gelernt haben, auf beiden Beinen im Leben zu stehen.

Ich bin heute dankbar dafür, dass meine Eltern mich auf diesem Weg unterstützt und mir den nötigen Schubs gegeben haben, einen Schritt nach dem Anderen zu wagen.

Trainer Young-Du